Wissenschaftliche Informationen

Neuro-muskuläre Krankheiten
Rehabilitation
Senioren, Vegetarier und Rekonvaleszente
Gehirn und Nervenzellen
Skelettmuskulatur und Sport
Zellschützende Wirkungen
Hoher Energieverbrauch
Creatine Kinase
Bibliographie

Prof. Dr. Theo Wallimann:

5. „Unbestrittene, positive Effekte von Kreatin auf die Skelettmuskulatur und Sport “

Durch gezielte Supplementation mit Kreatin können beim Menschen nicht nur die Sprint-, sondern auch die Ausdauerleistung verbessert und die Erholungszeiten nach hartem Training verkürzt werden (Greenhaff et al. 1994: Vandenberghe et al. 1997; Aaserud et al. 1988; Volek et al. 1999). Kreatinsupplementation wird deshalb nicht nur bei Kraftsportarten (Gewichtheben, Ringen/Schwingen, Bodybuilding etc), sondern auch für Leichtathletik, Mannschafts- und Spielsportarten (Fussball, Eishockey, Volleyball, Tennis Squash etc), sowie auch für Ausdauersportarten (Radrennfahren, Triathlon, Marathon- und Berglauf etc) mit Erfolg eingesetzt. Die Tatsache, dass submaximales Training, bei dem die Glycogenspeicher entleert werden, sowohl die Aufnahme von Kreatin, wie auch die Akkumulation von Glycogen im Muskelgewebe deutlich steigert (Robinson et al 1999), zeigt, dass Training in Kombination mit Kreatin-Supplementation plus Kohlehydrat-Loading zu optimalen Effekten führt. Durch die so gewonnene Erhöhung der Glycogenspeicher lässt sich u.a. auch die positive Wirkung von Kreatin auf die Ausdauerleistung ohne weiteres erklären.
Während der ersten Phase eine Kreatin Supplementation, besonders während der Hoch-Dosis Ladephase mit 4 x 5 Gramm Kreatin pro Tag, die für „normale Sportler“ nicht nötig ist, ist es möglich, dass zusätzlich Wasser von den Muskeln aufgenommen wird. Diese anfängliche Akkumulation von Wasser im Muskelgewebe (Gewichtszunahme von 1-3 kg) kommt dadurch zu Stande, dass der Kreatin-Transporter ein Natrium-Chlorid Cotransporter ist (Guerrero und Wallimann 1998) und zum osmotischen Ausgleich Wasser in die Zellen aufgenommen werden muss. Deshalb ist es auch wichtig vor allem während der Ladephase mit Kreatin speziell viel zu trinken, was zu einer leichten Gewichtszunahme führen kann, die individuell von 1-3 kg variieren kann. Bei Fortsetzung der Kreatin Einnahme wird der Wassergehalt des Muskelgewebes wieder normalisiert, weil das zusätzlich eingeschleuste Natrium-Chlorid durch die zelluläre Natrium/ Kalium ATPase wieder ausgeschleust wird. In der Folge wird zunehmend mehr Muskelmasse gebildet, die parallel dazu zu einer Erhöhung der Muskelkraft und Muskelleistung führt. Dabei führt die Einnahme von Kreatin nicht nur zu einer deutlichen Vergrösserung des Durchmessers vom schnellen Typ II Muskelfasern (Sipilä et a. 1981). Sondern, speziell im Zusammenhang mit Krafttraining, auch zu einer signifikanten Querschnittsvergrösserung aller, inklusive der langsamen Typ I Fasern (Volek et al. 1999). Parallel zu diesem Muskelaufbau stellte man oft eine Abnahme von Fettgewebe fest (Vandenberghe et al. 1997), was insgesamt zu einer durchaus erwünschten Erhöhung der fettfreien Körpermasse (lean body mass) führt (Volek et al. 1999). Kreatin empfiehlt sich deshalb auch für gut trainierte Freizeitsportler, Bergsteiger etc., die oft an die Grenzen ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit kommen, nicht nur wegen der Steigerung der effektiven körperlichen Leistung, sondern auch, weil die Erholung von grossen Anstrengungen verbessert und beschleunigt wird.
(Greenhaff et al. 1994: Aaserud et al. 1988). Dadurch kann auch die Kadenz des Trainings erhöht werden.
(Burke et al.. 2003)

Burke DG, Chilibeck PD, Parise G, Candow DG, Mahoney D, Tarnopolsky M.: Effect of creatine and weight training on muscle creatine and performance in vegetarians. Med Sci Sports Exerc. 2003 Nov;35(11):1946-55.

5.1 Zusammenfassungen von Publikationen

Die Wirkung einer Kreatin Supplementation auf die Entzündung und die Muskelübersäuerung nach einem 30 km Lauf
R.V.T. Santos et al.: Life Sciences '75 (2004) 1917-1924, Available online at www.sciencedirect.com

Wir haben die Wirkung der Kreatin Supplementation auf die Marker von Entzündung und Muskel-übersäuerung untersucht: Kreatinkinase (CK), Laktat-Dehydrogenase (LDH), Prostaglandin E2 (PGE2) und Tumor-Nekrose-Faktor Alpha (TNF-α) nach einem 30 km Lauf. Es nahmen erfahrene Marathonläufer teil, mit persönlichen Bestzeiten zwischen 2,5 und 3 Stunden. Die Supplementation mit Kreatin erfolgte 5 Tage vor dem 30 km Wettkampf mit 4 Dosen zu 5 g Kreatin und 15 g Maltodextrin pro Tag, während die Kontrollgruppe dieselbe Menge an Maltodextrin erhielt. Unmittelbar vor dem Rennen wurden Blutproben genommen und 24 Stunden nach Ende des Wettkampfes. Nach dem Wettkampf zeigten die Athleten der Kontrollgruppe eine Zunahme an Plasma-CK (4,4-facher Wert), LDH (43 %), PGE2 (6,6-fach) und TNF-α (2,34-fach), was einen hohen Grad an Zellverletzung und Entzündung zeigt. Die Supplementation mit Kreatin reduzierte die Werte für CK (19 %), PGE2 und TNF-α (60,9 % bzw. 33.7 %, d.h. p < 0,05) und auch die Zunahme der LDH-Plasmakonzentration nach dem 30 km Lauf. Die Athleten hatten keine Nebenwirkungen, wie Muskelkrämpfe, Dehydratation oder Diarrhöe, weder während der Kreatin-Einnahme, noch während des 30 km Laufes. Alle Athleten beendeten den Wettkampf in einer Zeit um die persönliche Bestzeit (± 5.8 %). Diese Ergebnisse zeigen, dass die Einnahme von Kreatin Zellschäden und Entzündung nach einem intensiven, erschöpfenden Wettkampf reduzierte. Somit wird auch die Erholungszeit nach intensivem Training oder Wettkampf verkürzt und es kann mit höherer wöchentlicher Kadenz weitertrainiert werden. (Burke et al. 2003)

Die Wirkungen der Kreatin-Einnahme auf die kardiovaskulären, metabolischen und thermoregulatorischen Parameter bei trainierten Ausdauersportlern während des Trainings in der Hitze
Kilduff LP et al.: Int J Sport Nutr Exerc Metab. 2004-Aug; 14 (4):443-60

Ziel: Die Wirkungen der Kreatin-Einnahme (Cr) auf die kardiovaskulären, metabolischen und thermoregulatorischen Parameter wurde untersucht, um die Leistung von trainierten Sportlern bei ausgedehntem Training in der Hitze zu ermitteln. Ausdauer-trainierte Männer (n = 21) absolvierten in der Hitze (Aussentemperatur: 30,3 +/- 0,5° C) zwei Trainingsläufe unter gleichmässiger Belastung bis zur Erschöpfung bei 63 +/- 5 % VO2max vor und nach einer 7-tägigen Cr-Einnahme (täglich 20 g Cr + 140 g Traubenzucker) oder ein Placebo. Cr erhöhte die intrazelluläre Wassermenge und reduzierte die thermoregulatorischen und kardiovaskulären Parameter (z.B. Pulsrate, rektale Temperatur, Schweissausscheidung) aber verlängerte, über alle Teilnehmer gemessen, die Zeit bis zur Erschöpfung nicht signifikant (Vergleiche 49,7 +/- 7,5 Min. in der Kreatin-Gruppe mit 47,0 +/- 4,7 Minuten in der Placebogruppe, P = 0,095). Allerdings war die Zeit bis zur Erschöpfung bei der Gruppe von Probanden, deren Kreatin Konzentration sich im Muskel am deutlichsten erhöht hatte wesentlich verbessert, (51,7 +/- 7,4 Minuten, verglichen mit 47,3 +/- 4,9 Minuten bei der Placebo Gruppe (P = 0.031)). Das heisst, dass die „Responders“, die auf eine Kreatin-Einnahme mit einer signifikanten Erhöhung der muskulären Kreatin-Konzentration antworten, dementsprechend mehr profitieren und entsprechend diesen neueren Forschungsresultaten nicht nur mehr Muskelkraft, sondern auch Ausdauer gewinnen. Zudem kann auf Grund dieser Studie gefolgert werden, dass die mit Cr induzierte Hyperhydratation zu einer effizienteren Thermoregulation während ausgedehnten Trainings unter Hitze führen kann, was den leichten Gewichtsverlust durch Wassereinlagerung wieder kompensiert.

Wirkungen der Kreatin-Supplementation auf die aerobe Kraft
und die kardiovaskuläre Struktur und Funktion
Murphy AJ et al.: J Sci Med Sport. 2005 Sep; 8 (3):305-13.

Dieses Projekt hatte zum Ziel zu zeigen 1) ob die Kreatin (Cr) Supplementation die kardiovaskuläre Struktur und Funktion beeinflusst und 2) ob es eine Wirkung auf die aerobische Kraft gibt. Achtzehn Männer nahmen an einem aeroben Test auf dem Fahrrad-Ergometer und einer echokardiographischen Abklärung teil. Die Probanden (n = 9) nahmen täglich 20 g Kreatin (Cr) während sieben Tagen ein, gefolgt von 10 g täglich während weiteren 21 Tagen. Die Kontrollgruppe (n = 9) befolgte das gleiche Protokoll und die Einnahme von Placebo an Stelle von Kreatin mit den gleichen Vorgaben. Die Bewertung erfolgte vor, in der Mitte (nach sieben Tagen) und nach dem Test (28 Tage später). Ein ausführliches Protokoll diente für das Festhalten der wiederholten Messungen. Die Cr-Gruppe zeigte eine gewisse Zunahme der Körpermasse vor / mitte (1,0 +/- 0,6 kg) und der mitte / nach den Tests (1,5 +/- 0,7 kg). Die submaximale VO2 nahm zwischen 4,8 und 11,4 % signifikant ab im Vergleich von vor / mitte und nach den Testmessungen mit der Cr-Supplementierung bei einer Belastung von 75 W und 150 W. Andere Messungen des Sauerstoff-Verbrauchs und der Zeit bis zur Erschöpfung zeigten für die Cr-Gruppe einen abnehmenden Trend und wurden signifikant. Zusätzlich gab es eine signifikante Abnahme von 3,7 bei der maximalen Pulsrate im Vergleich vorher / nachher. Es gab weder eine Veränderung in den echocardiographischen Beobachtungen, noch in den Blutdruckwerten in beiden Gruppen. Die vorliegenden Resultate lassen zeigen, dass eine kurzfristige Cr-Supplementierung keine feststellbare, negative Wirkung auf die Herzstruktur und Funktion hat. Im Gegenteil die Cr-Einnahme verbesserte die submaximale Leistung auf dem Fahrrad deutlich und die Probanden in der Kreatin-Gruppe konnten dieselbe Leistung (gemessen in Watt) bei niedrigerer Sauerstoffaufnahme und niedrigerer Pulsfrequenz erbringen, was auf eine Wirkung von Kreatin auf die Ausdauerleistung hinweist.
Die Autoren führen diese Leistungssteigerung eher auf periphere Faktoren, wie Erhöhung des Muskel-Phosphokreatins zurück, als auch auf einen allgemeinen zentralen Einfluss.

nach oben